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1 Jun 2018

La Fête des mères

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Ende Mai startete in Frankreich der Film La Fête des mères (dt.: Muttertag).

Er behandelt ein spannendes Thema: Mutterschaft und Arbeit. Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar spielt mit verschiedenen Konzepten Mutter zu sein … oder eben auch nicht und mit einer beruflichen Laufbahn umzugehen.

„Wir müssen akzeptieren, dass wir das Leben einer Frau haben, das eine Karriere, ein soziales Leben, Kinder beinhaltet, und mit dieser Idee aufhören, dass eine Frau, die viel arbeitet, abwesend ist. Sie müssen die Schuld verlieren, damit die Kinder das auch verstehen können. Wir müssen denken, dass die Aufmerksamkeit, die wir dem Kind schenken, wichtig ist, nicht die Zeit. Wir können Eltern haben, die nicht sehr viel da sind, aber wenn sie es sind, sind sie voll präsent,“ erklärt sie gegenüber Le Figaro.

Recht hat sie. Es kommt nicht auf die Menge der Zeit an, solange es realistisch möglich ist, etwas mit den Kindern zu tun, sondern auf die Qualität. Und Qualität bedeutet nicht zwangsläufig, hochwertige Beschäftigungen mit den Kindern sondern tatsächliche Präsenz.
Im gleichen Pressegespräch erklärt die Psychologin Geneviève Djénati „Mütter müssen wissen, dass das, was dem Kind weh tut, eine Mutter ist, die sich dafür entschuldigt, dass sie nicht da ist. Das wird Ideen in seinen Kopf bringen, wenn es keine hatte. Es ist notwendig, dass das Kind später sagen kann: “Meine Mutter, ich habe sie nicht oft gesehen, aber wenn ich sie gesehen habe, war es großartig, denn sie hat wirklich Zeit genutzt, mit uns zu spielen”.

So wie Du nicht in Deiner Freizeit nur über Deine Arbeit reden willst, wollen sie nicht mit Dir über Schule reden, es sei denn, das ist ein entspanntes offenes, integriertes Thema bei Euch. Aber es muss auch nicht immer eine geplante, klar strukturierte Beschäftigung sein. Es reicht oft, wenn die Kinder daneben sitzen, wenn Du kochst. Es geht um Nähe und Beziehung.

„ … wenn die Mutter (mit dem Kind) etwas tut, was sie nicht tun möchte, ist sie nicht verfügbar, also wird die Qualität der Zeit mit ihren Kindern schlechter sein. Wir müssen nicht jeden Abend Brettspiele machen, wir können einfach einen Salat oder ein Dessert mit den Kindern zubereiten, während wir über den Tag sprechen. Und wenn wir eines Abends Monopoly spielen, wenn wir es nicht wirklich wollen, machen wir es wirklich. Das Wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben und keine Pflichten zu erfüllen. In diesem Fall senden wir eine falsche Nachricht und das Kind nimmt wahr, dass der Ton nicht mit dem Inhalt übereinstimmt.“

Sie fordert zudem gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, damit der Gefühl verschwindet, für einen unwichtigen finanziellen Beitrag, die Familie zu vernachlässigen. Außerdem sollten Frauen aufhören, allein die Familie und den Haushalt zu managen.

Muttertag ist ein französischer Feiertag, jeweils am letzten Mai-Sonntag, es sei denn Pfingsten ist am selben Tag. Dann verschiebt der Muttertag auf den folgenden Sonntag. Auch in Deutschland gibt es dieses Fest, angeblich haben sich Floristenverbände auf den zweiten Sonntag im Mai als Muttertag festgelegt. 2015 setzte der US- Einzelhandel an einem vergleichbaren Anlass 172 Millionen Dollar um, die dem Muttertag zugeschrieben werden.

Was bei uns formell zu Ehren von Müttern gedacht ist, wenn auch genauso kommerzialisiert, hat nach Einschätzung des Historikers Françoise Thébaud in Frankreich einen klar politischen Hintergrund. Das Vichy-Regime wollte ursprünglich unter dem Motto „Arbeit, Familie, Vaterland“ mit einem Bündel von Maßnahmen die Menschenverluste zweier Weltkriege ausgleichen. Schon 1926 wollten entsprechende politische Kräfte – man würde sie heute als rechtskonservativ-nationalistisch einordnen – einen monatlichen Muttertag verankern. Unter Charles de Gaule wurde La Fête des mères ein gesetzlicher Feiertag, arbeitsfrei ist er aber nur, weil er immer Sonntags stattfindet.

Das Interview : “Il faut arrêter avec cette idée qu’une mère qui travaille beaucoup est absente”

Grafik: CC0 Public Domain