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11 Apr 2018

Mindset – Was ist wichtiger für den beruflichen Erfolg?

In den letzten Wochen war das Thema Unconscious Bias im Team der Women in Tech Academy sehr präsent. Neben einem gigantischen Set von Erwartungen an andere Menschen, das unser Gehirn von der ersten Lebenssekunde an aufbaut und das von unserer Umwelt geprägt wird gibt es eine weitere, oft sehr unbewusst wirksame Kategorie im Hirn: Das Mindset.

Es gibt keine eindeutige Übersetzung des englischen „Mindset“ ins Deutsche. Unser Wort „Mentalität“ kommt dem nur nahe. Auch „Denkweise“ trifft es nur halb.

Gemeint ist eine Art Voreinstellung unseres Denkens. Vermutlich genetisch prädisponiert aber auf jeden Fall sozial und kulturell geformt, glauben wir eine ganze Menge Dinge über das Leben im Allgemeinen und uns im Besonderen zu wissen. Dieses Wissen spielt sich oft am Rande des Bewussten ab, nicht selten liegt es tief im Unbewussten vergraben und steuert von dort aus unser Verhalten mit.
Selbstverständlich ist die Psychologie noch längst nicht so weit, exakt erklären zu können, wie Mindset funktioniert. Wie immer ist das Konzept wissenschaftlich betrachtet nur ein vorläufiges. Das bedeutet nicht, dass es völlig an der Realität vorbeigeht. Wir können gut damit arbeiten.

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Beschäftigt man sich aber näher mit dem Konzept des Mindset, wird klar, wie stark unsere Vorprägung ist. Und wie krass sie uns bei bestimmten Sachen hilft und andere verhindert.

Unser Mindset wird von verschiedenen Dingen geprägt. Beobachte kleine Kinder beim Laufen lernen. Du siehst, wie sie es immer und immer wieder versuchen. Bis es irgendwann klappt. Sie hinterfragen es nicht, es läuft ein biologisches Programm ab. Aber rede den gleichen Kindern ein, Fahrrad fahren ist gefährlich, verhindere jeden anderen Impuls und sie werden Probleme damit haben, es zu lernen, es vielleicht sogar ganz lassen.

Ein klassischer Erziehungsfehler vieler Eltern ist, ihre Kinder immer und immer wieder beim Lernen zu frustrieren. Möglichkeiten dazu gibt es etliche Male mehr, als es Eltern gibt. Aber diese Frustration sorgt für Lernbremsen und die Annahme, dass man irgendetwas wirklich nicht kann. Durch das normale deutsche Schulsystem ohne diese Frustration zu kommen, ist schwierig.

Wir lernen auf die eine oder andere Art immer wieder, was wir können und was „zu schwer“ ist, was Frust auslöst, wofür wir letztlich bestraft werden. Irgendwann erwarten wir für bestimmte Handlungen immer das gleiche Ergebnis: Scheitern, Frustration, Strafe. Vermeidungsverhalten und Angst entwickeln sich.

Selbstverständlich geht das auch anders rum. Wenn wir lernen, bestimmte Dinge erfolgreich zu tun, gehen einfach davon aus, dass wir das können. Am besten wäre sogar zu lernen, dass selbst Scheitern kein Versagen ist, sondern Möglichkeiten enthalten kann. (Natürlich muss man hier immer realistisch bleiben. Manches Scheitern ist endgültig und man darf sich nicht von solchen Situationen davon abhalten lassen, anzunehmen dass der Satz trotzdem seine Berechtigung hat. Die wenigsten von uns können durch Wände gehen, mit einem gebrochenen Bein rennen, gegen eine Gruppe mobbender Kollegen den Vorstandsvorsitz eines Konzerns erreichen.)

Du bist eine ängstliche Person? Du hast viele Gründe, warum Du etwas nicht kannst? Du meinst, das war schon immer so und ist Teil Deiner Persönlichkeit? Jede Änderung wäre Manipulation?

Das ist Quatsch. Du hast Laufen gelernt, also hast auch Du irgendwann die Fähigkeit besessen, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Egal, ob aktiv oder ängstlich, unsere Einstellung ist immer (Zwischen-)ergebnis eines Lernprozesses. Was wir lernen, hängt zum großen Teil von unserer Umwelt ab, weniger von unserem Menschsein. Du bist, wer Du bist immer auch aufgrund Deiner Umwelt.
Das bedeutet im Umkehrschluss: Das Mindset kann man verändern. Genau genommen tun wir das auch ständig ohne es zu merken. Denn ständig prägen neue Erfahrungen unser Hirn. Wenn das ohnehin laufend passiert, können wir es auch bewusst steuern.
Nach unseren Beobachtungen ist das Mindset die größte Karrierebremse, die wir uns bauen können. Oder eines der größten Booster, die Menschen haben. Wer mit „Ich kann sowieso nicht“ vor dem beruflichen Wiedereinstieg steht, hat weit weniger Chancen als die Leute, die mit „Geht nicht, gibt´s nicht“ losziehen und sich den passenden Weg suchen.

Also, wie gehst Du mit Frust um? Ende der Arbeit oder findest Du den Weg durch? Nimmst Du Kritik lieber persönlich oder als Hilfestellung für die Weiterentwicklung? Fordern Dich Herausforderungen heraus oder stehen sie Dir im Weg? Glaubst Du, in Deinen Möglichkeiten limitiert zu sein oder bist Du fähig, zu lernen?

Gerade Frauen trauen sich im technischen Bereich zu wenig zu. Hattest auch die Lehrer, die ihre Technik lieber von Schülern bedienen ließen, weil sie sie nicht beherrschten? Das ist okay, wenn sie es einmal tun und von den Jugendlichen lernen. Aber es immer zu tun, ist eine Mindsetproblem. Es ist die Angst vor der Technik.

Und die ist überflüssig. Frauen sind nicht unintelligenter als Männer. Sie können nicht mehr kaputt machen. Sie können sich das nur einreden lassen. Und wieder ausreden. Probiere es und Du wirst merken, die Bremse ist im Kopf, nicht in der Technik.
Auch Männer müssen erst lernen mit der Technik umzugehen.

Wiedereinsteigerinnen und Technik? Es ist dasselbe Problem. Als Du zum ersten Mal einen Computer bedient hast, war es bereits ein komplexes Stück Technologie. Und? Hast ihn zerstört? Vermutlich nicht. Jetzt ist das nicht anders. All die Leute, die mit dem Ding arbeiten, mussten es auch lernen, sich weiterbilden. Kann sein, dass Dein Weg bei einem Wiedereinstieg anders verläuft als ihrer. Aber Technologie ist zu Arbeiten gebaut worden, also kannst auch Du sie bedienen.

Wie man das hin kommt? Entspann Dich erst mal. Der Weg ist nicht so schwierig, wie Du vielleicht denkst.

Information ist die halbe Miete. Wenn Du mehr über das weißt, wovor Du Angst hast, hilft es in der Regel, es besser zu bewältigen. Aus dem Wissen kannst Du für Dich Lernaufgaben ableiten. Was fehlt Dir wirklich? Was hast Du tatsächlich nicht verstanden? Halte nach bereits bekanntem Ausschau. Hier kannst Du ankern und die Umgebung erkunden. Weite Dein Wissen step by step aus. Kleine entschiedene Schritte sind nachhaltiger als Rennen auf unsicherem Grund.

Auch wenn es viel ist, bleib locker. Du wirst bald wieder merken, dass Du lernen kannst. Selbst wenn Du als Karriereunterbrecherin eine Weile keine Technik im Kopf hattest, hast Du ja das Denken nicht verlernt. Das Hirn muss sich nur neu orientieren, alte Netze reaktivieren und langsam wieder entwickeln, was es bereits konnte.

Lass Dich nicht von Leuten wirr machen, die Dir nichts zutrauen. Wenn es Dir hilft, ihnen das Gegenteil beweisen zu können, nutze es als Motivation. Wenn nicht, lass Dich nicht auf den Wettkampf ein. Such Dir Leute, die Dir etwas zutrauen.

Je mehr Du lernst, was Du kannst, umso mehr solltest Du Dir selbst zutrauen. Die Realität sah schon immer anders aus, als ein festsitzendes Mindset uns vorgaukeln will. Wenn Du es Dir selbst beweist, ist es bewiesen.

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